27.2.26
Webflow
Design

Also, Sie haben ein Webflow-Template gekauft...

„Können wir das (mal eben schnell) anpassen?“

Dieser Artikel soll Ihnen Klarheit über den tatsächlichen Nutzen von Webflow-Templates verschaffen. Hier sind die Hauptgründe, warum Menschen sich entscheiden, eines zu kaufen.

Grund #1: Das Offensichtliche – Es ist super billig

Während das Template selbst nur etwa 60 bis 150 Dollar kostet, wird ein Entwickler, der tatsächlich versteht, wie dieses Template (inklusive des oft überall verstreuten Custom Codes) funktioniert, und der fähig ist, Ihre Wünsche umzusetzen, ohne die komplette Seite zu zerschießen, Sie locker weitere 2.000 bis 3.000 €+ kosten. Das ist Geld, das Sie direkt verbrennen. Sie werden mit dem Ergebnis nämlich nicht zufrieden sein (mehr dazu später) und nächstes Jahr eine vernünftige Website haben wollen.

Grund #2: Sie haben sich in die Optik verliebt

Templates sehen alle fantastisch aus, richtig?

Template-Designer verwenden sehr spezifische Inhalte, um Ihnen den Eindruck zu vermitteln, Sie würden die stilvollste Website kaufen, die je erschaffen wurde...

Es ist alles nur Dekoration

Die Myriaden von Layouts und Elementen, die fantastisch aussehen und scheinbar jeden erdenklichen Anwendungsfall abdecken, sind ausschließlich darauf ausgelegt, eine perfekte visuelle Balance zu schaffen – nicht darauf, Ihre spezifischen Inhalte darzustellen. Sie haben genau die richtige Textlänge, riesige Überschriften, beeindruckende Blöcke mit gigantischer Typografie, hübsche kleine Buttons und zufällige Icons, toll aussehende kleine Widget-Komponenten, hier und da ein bisschen Schnickschnack, nutzlose UI-Elemente und vor allem: atemberaubende, zufällige Bilder, die aussehen, als hätte jemand Annie Leibovitz engagiert (berühmte Fotografin, bekannt für ikonische, inszenierte Prominentenporträts, einschließlich des letzten Fotoshootings von John Lennon und Yoko Ono).

Das erschafft eine „Gussform“. Wenn Ihr Content nicht exquisit strukturiert ist, um exakt in diese Form zu passen (und das ist er nicht), werden wir anfangen müssen, alles zu löschen.

Die Demontage im Detail:

  • Das Logo: Ein modernes, minimalistisches Zufalls-Logo, das so gestaltet ist, dass es perfekt mit dem Look der Website harmoniert. Ihr Logo tut das nicht.
  • Atemberaubende Farbpalette: Beeindruckende, riesige Flächen in strahlenden Farben. Wenn Sie eine eigene CI haben, sind das nicht Ihre Farben. Die Seite wird völlig anders aussehen, sobald wir das Farbschema aktualisieren.
  • Fantastischer, riesiger Text: Texte, die entweder aus einem massiven einzelnen Wort (nicht länger als 6-8 Zeichen) bestehen oder aus kurzen Überschriften, die perfekt abgemessen sind, um so riesig wie möglich zu sein. Wir werden alle Einzelwörter löschen (weil niemand in Einzelwörtern kommuniziert) und die Größe aller Überschriften um 50 % reduzieren, da Ihr Text sehr viel länger sein wird. Und ja, ich schaue Sie da direkt an, Herr Donaudampfschifffahrtselektrizitäten
  • Eyebrows (der kleine Text über den Überschriften): Dekoration. 95% der Texte, die ich von Kunden erhalte, haben so etwas nicht.
  • Auffällige kleine „Widgets“: Dekoration ohne Anwendungsfall. Wir werden sie alle entfernen.
  • Viele hübsche Buttons und UI-Elemente: Dekoration. Das meiste davon wird entfernt, weil Sie es schlichtweg nicht brauchen.
  • Perfekte Ausrichtung: Während man im Printdesign das Ende von Textblöcken so ausrichten kann, dass sie perfekt auf einer Linie enden, hat Website-Content eine dynamische Länge. Template-Designer verwenden oft Blindtexte mit exakt der Länge, die nötig ist, damit die Unterkante bündig mit dem benachbarten Block abschließt. Das ist ein optischer Trick, der sofort in sich zusammenfällt, wenn... A.) ...Sie die Größe des Browserfensters ändern, oder B.) ...Ihr Text 10 Zeichen länger oder kürzer ist als der Platzhaltertext – was er natürlich sein wird.
  • … und vor allem, ATEMBERAUBENDE BILDER: Diese Bilder wurden explizit danach ausgewählt, ein Maximum an Negativraum (homogener Hintergrund oder viel Unschärfe) zu bieten, weil genau das auf einer Website gut aussieht. Sie besitzen keine Fotos, das so aussehen.

Grund #3: Das CMS ist bereits eingerichtet

Da ein Template jeden Anwendungsfall abdecken muss, verfügt es in der Regel über ein CMS-Setup, das für 12 Websites reichen würde. Dazu gehören CMS-Collections mit der Anzahl an Eingabefeldern einer deutschen Steuererklärung (von denen Sie exakt fünf nutzen werden). Aufgrund der Funktionsweise von Webflow gleicht das Löschen überschüssiger Felder oder ganzer Collections, die Ihre Ladezeit aufblähen, dem Entwirren von 160-240 Metern Angelschnur. Freuen Sie sich also darauf, ein einfaches Kunden-Testimonial über das Kontrollzentrum eines Atomkraftwerks hochzuladen.

Grund #4: Sie wollen eine einzigartige Website, glauben aber, das Template sei eine gute Basis dafür

Nein. Indem Sie mir ein 60-Dollar-Asset-Kit kaufen, revolutionieren Sie nicht meinen Workflow. Ich habe bereits ein Asset-Kit, und meins ist größerer und besserer. Außerdem ist es kein absolutes Chaos.

Grund #5: Aber die Klassen sind doch schon angelegt

… was das allergrößte Problem ist. Sofern das Template nicht explizit angibt, ein Framework wie Client-First (Finsweet) oder Knockout zu verwenden, laufen Sie höchstwahrscheinlich in einen CSS-Albtraum. Klassennamen wie Div Block 47 oder Heading 2 Red Copy Copy 2 sind der Standard und machen globale Stil-Updates zu einem frustrierenden, manuellen Prozess. Ich habe zudem keine Ahnung, wo diese Klassen überall auf der Seite wiederverwendet wurden, und muss nach jeder Änderung jedes einzelne Element auf jeder einzelnen Seite überprüfen. Jeder Entwickler, der kompetent genug ist, diesen CSS-Albtraum zu fixen, weiß genau: Das ist ein unberechenbares Risiko. Sie bezahlen diesen Experten dann nicht dafür, Ihr Business voranzubringen – Sie zahlen seinen Stundensatz dafür, den digitalen Müll eines völlig Fremden zu entsorgen.

Grund #6: Die Animationen sind fantastisch

Viele Templates verlassen sich auf komplexe, elementspezifische Interaktionen, die toll aussehen, aber out-of-the-box absolut nicht zu Ihren Anforderungen passen werden. Wenn wir anfangen, diese anzupassen (z. B. die DOM-Struktur ändern, einen Textblock in ein Div packen, Elemente neu anordnen), brechen in der Regel die Interaktions-Trigger. Wenn diese Animationen dann schlichtweg nicht abspielen, ist es in der Regel am einfachsten von null anzufangen um das Modul zu bauen das Sie tatsächlich benötigen. Wieder sind das Elemente die nicht im geringsten auf Robustheit und Flexibilität angelegt wurden und einfach nur da sind um sind Sie schnell zu beindrucken.

Das Ergebnis

Wenn wir mit der „Anpassung“ fertig sind, bleibt Folgendes übrig:

ein CMS-Setup, das absoluter Overkill ist, ein Haufen Textstile, zwei Buttons, 6 Layouts, eine Navbar und ein Footer, die jetzt extrem leer aussehen.Das Endergebnis wird nicht im Entferntesten so aussehen wie die Vorschau, die Sie überhaupt erst zum Kauf verführt hat.

Ein Plädoyer für Templates – Teil 1

Templates eignen sich am besten als „Out-of-the-box“- bzw. „Wie gesehen“-Lösungen, bei denen ein billiger, schneller Turnaround im Vordergrund steht – und sonst nichts. Wenn Sie Ihre Inhalte so strukturieren können, dass sie exakt in die Gussform passen, oder Ihnen die Optik schlichtweg egal ist, ist ein Template eine schnelle, billige Lösung.

Aber versuchen Sie Folgendes

Engagieren Sie nicht sofort einen Entwickler, das macht den Kostenvorteil zunichte. Lassen Sie erst einmal einen Praktikanten Ihr Logo hochladen, Texte und Bilder austauschen und überflüssige Elemente löschen. Wenn das Ergebnis dann nicht Ihren Erwartungen entspricht, haben Sie die Kreativbranche leider doch nicht durch die Entdeckung des unendlichen Wertes eines 59-Dollar-Webflow-Templates ruiniert – und Sie brauchen eine echte Website.

Ein Plädoyer für Templates – Teil 2

Wenn Sie eine eCommerce-Plattform (einen Webshop) aufbauen, ist ein hübsches Design im Vergleich zu nahtloser Funktionalität vernachlässigbar. Nutzen Sie Shopify. Deren Templates sind praxiserprobt und Shopify bietet Plugins für jede erdenkliche Zusatzfunktion. Produkte hochladen, Navigation anpassen, Farben ändern, notwendige Plugins installieren, launchen.

Das Urteil

Für einen professionellen Webflow-Entwickler macht ein Template oft mehr Arbeit als ein Custom Build, da Rekonstruktion/Dekonstruktion länger dauert als Konstruktion. Templates sind keine Basis für eine skalierbare, langfristige Unternehmenswebsite.

Pflicht-Werbeblock

Die Regel ist simpel: Wenn Sie es billig und unflexibel wollen, kaufen Sie ein Template. Wenn Sie eine maßgeschneiderte, skalierbare Lösung suchen, buchen Sie mich.

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